Erbschaftssteuer bei Vermögen in Spanien 2020 - FAQ

Erbschaftssteuer bei Vermögen in Spanien 2020 - FAQ

Als Spezialisten für deutsch-spanische Erbfälle liegt der Fokus unserer Beratung oft auf der Erbschaftssteuer. Nachfolgend werden Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Erbschaftsteuer bei Vermögen in Spanien beantwortet (Stand 2020).

Muss ein deutscher Erbe spanische Erbschaftsteuer zahlen?

Unbeschränkte Steuerpflicht (obligación personal) besteht, d.h. der weltweite Erwerb ist in Spanien steuerbar, wenn der Erwerber im Zeitpunkt des steuerlichen Erwerbs ein gewöhnlicher Wohnsitz (residencia habitual) bestand. 

Muss ein deutscher Erbe auch spanische Erbschaftsteuer zahlen, wenn er nicht in Spanien resident war? 

Wenn der Erwerber (Erbe, Vermächtnisnehmer) in Spanien keinen gewöhnlichen Wohnsitz hatte, besteht nur beschränkte Steuerpflicht (obligación real), d.h. (nur) alle Güter, die sich auf spanischem Hoheitsgebiet befinden bzw. dort ausgeübt werden können oder dort zu erfüllen sind, unterliegen der spanischen Erbschaftssteuer. Dies sind z. B. Immobilien (bebaute und unbebaute Grundstücke, Wohnungseigentum) und bewegliche Gegenstände (z.B. Yacht, PKW, Kunst, Gold), die sich in Spanien befinden. 

Wie hoch ist die spanische Erbschaftsteuer?

Die Steuersätze der spanischen Erbschaftssteuer sind abhängig vom Verhältnis zwischen Erblasser/Erwerber, dem Wert des Erwerbs und dem bestehenden Vorvermögen und bewegen sich zwischen 7,65 % und 81,6 %. Vertiefend empfehlen wir unseren Beitrag Spanische Erbschaftssteuer - Einführung. 

Welche Freibeträge gibt es bei der spanischen Erbschaftsteuer?

Nächste Angehörige (Kinder und Ehegatten) haben einen Freibetrag von jeweils ca. Euro 16.000. Daneben wird für Residente einen Freibetrag für den Erben der vom Erblasser in Spanien selbst genutzten gewöhnliche Wohnung (vivienda habitual) gewährt.

Was ist Plusvalía und fällt diese Steuer im Erbfall neben der spanischen Erbschaftsteuer an?

Die Gemeindliche Wertzuwachsteuer (Plusvalía) wird von der Gemeinde erhoben und besteuert den Wertzuwachs von städtischen Immobilien. Sie fällt auch beim Tod - neben der spanischen Erbschaftsteuer - an. 

Ist ein „Berliner Testament“ bei Spanien Vermögen sinnvoll?

Bei einem Berliner Testament mit Einheitslösung fällt zweimal Erbschaftssteuer an: Das erste Mal bei Tod des ersten Ehegatten und beim Tod des überlebenden Ehegatten. Dies ist bei Vermögen in Spanien besonders problematisch, da die Freibeträge sehr niedrig sind. 

Gibt es zwischen Spanien und Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen für die Erbschaftssteuer?

Spanien und Deutschland haben kein Doppelbesteuerungsabkommen für die Erbschaftssteuer. Daher besteht im Grundsatz die Gefahr, dass deutsche und spanische Erbschaftsteuer gezahlt werden muss (Doppelbesteuerung).

Muss auf das Vermögen in Spanien deutsche Erbschaftsteuer gezahlt werden? 

In Deutschland ist der ganze Erwerb (z.B. durch Erbschaft oder Vermächtnis) steuerbar, wenn der Erwerber (z. B. Erbe) oder der Erblasser im Zeitpunkt des Erwerbs ein Inländer ist. 

Kann die spanische Erbschaftssteuer auf die deutsche Erbschaftssteuer angerechnet werden?

Nach § 21 ErbStG kann die spanische Erbschaftsteuer unter bestimmten Voraussetzungen auf die deutsche Erbschaftsteuer angerechnet werden. Es gibt aber Anrechnungslücken; so ist z.B. die spanische Erbschaftsteuer, die auf bewegliches Vermögen (z.B. Yacht, PKW) und Forderungen (z.B. aus einem Kontokurrent) anfällt, nicht anrechenbar, wenn der Erblasser ein Inländer war. Weiterführende Informationen finden Sie in dem Beitrag Anrechnung spanische Erbschaftssteuer in Deutschland

Stimmt es, dass einige Regionen Spaniens die Erbschaftsteuer abgeschafft haben?

In den letzten Jahren haben einige autonome Gemeinschaften Vergünstigungen eingeführt, die - in der Steuerklasse I (Kinder bis 21 Jahren) und II (andere Kinder und Abkömmlinge, Ehegatten) geführt hatten. Einige Regionen (z.B. die Kanaren und die Balearen) haben diese aber auch wieder abgeschafft. Aktuelle Informationen zum Stand der Gesetzgebung in 2020 finden Sie in den gesonderten Beiträgen zu den Balearen, zu den Kanaren, zu Andalusien, zu Katalonien, zu Valencia, zu Murcia und zu Madrid.  

Wann verjährt die spanische Erbschaftssteuer?

Die spanische Erbschaftssteuer verjährt in 4 Jahren und 6 Monaten. Wenn der Tod in Deutschland eingetreten ist, wird aber zum Teil die Auffassung vertreten, dass dies nicht gilt. Hierzu verweisen wir auf den Beitrag Verjährung der spanischen Erbschaftssteuer

Ist eine Schenkung zu Lebzeiten zur Vermeidung der spanischen Erbschaftsteuer sinnvoll?

Bei der Schenkung einer spanischen Immobilie fällt spanische Schenkungssteuer (impuesto donaciones) an. Deren Steuersätze entsprechen den Steuersätzen der spanischen Erbschaftsteuer. Allerdings sieht das spanische Steuerrecht grundsätzlich keinen allgemeinen (persönlichen) Freibetrag vor. Zwar sehen die Gesetze vieler autonomer Regionen besondere Freibeträge und Vergünstigungen für bestimmte Personen (z.B. Kinder und den Ehegatten) vor, auch in diesem Fall fällt aber - zusätzlich zur Schenkungssteuer - spanische Gewinnsteuer an. Die Schenkung von Spanien Vermögen ist daher oftmals steuerlich ungünstig. 

Ist es sinnvoll einer Immobilie in Spanien zu verkaufen statt zu verschenken?

Viele spanische Steuerberater und Anwälte empfehlen als Alternative zur Schenkung den "Verkauf an die Erben". Allerdings gibt es bei dieser Gestaltung Vieles zu Bedenken und im Ergebnis ist sie oftmals nicht zu empfehlen. Hierzu verweisen wir auf den Beitrag Erbschaftsteuern in Spanien - umgehen, vermeiden und minimieren. 

Kann es sinnvoll sein, die Immobilie auf eine spanische GmbH zu übertragen oder mit einer spanischen GmbH zu erwerben?

Das war lange ein praktiziertes Steuersparmodell, von welchem wir allerdings heute abraten. Auf legalem Weg kann die Steuer hierdurch nicht vermieden oder verringert werden.

Wann wird die spanische Erbschaftssteuer fällig?

Die spanische Erbschaftssteuer wird grundsätzlich innerhalb von 6-Monaten fällig. Wird die Frist nicht gewahrt, drohen empfindliche Steuerzuschläge von bis zu 20 %. Allerdings ist in den ersten 5 Monaten nach dem Tod eine Verlängerung der Frist um 6 Monate auf insgesamt 12 Monate möglich.

Wie wird der Wert einer Spanien-Immobilie ermittelt?

Maßgebend ist der "wahre Wert", also der Verkehrswert (valor real). Dies ist der Wert, der bei einem Verkauf erzielt werden könnte. Wird die Immobilie nicht veräußert, können Sie aber auch den nach dem spanischen Vermögensgesetz bestimmten Wert angeben ohne dass Sie mit einer Strafe rechnen müssen. Dabei ist unter anderem auf den Katasterwert (valor catastral) abzustellen. 

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